Wohin?

Was ist klimafreundlicher Beton? Immerhin darauf konnte man sich bei der COP29 in Baku mittlerweile einigen. Aber ansonsten hat der Klimagipfel bis Freitagfrüh sehr wenige Ergebnisse gebracht.

Diese „Conference of the Parties“ entwickelt sich immer mehr zu einer jährlichen Traditionsveranstaltung, in der auf der einen Seite Politikerinnen wie Leonore Gewessler in Kurzreden vehement „neue und ehrgeizige“ nationale Klimaziele fordern, und auf der anderen Seite 1.800 Lobbyisten für das fossile Weiterwirtschaften verbindliche Abmachungen so weit wie möglich verhindern.

Der Gastgeber, der aserbaidschanische Staatschef Aliyev pries Öl und Gas als ein „Geschenk Gottes“, womöglich in völliger Unkenntnis, dass sich Geschenke auch wandeln und zum Danaer Geschenk werden können. So ganz erschließt sich den fernen Beobachtern auch die Logik hinter den Austragungsstätten nicht: Dass just in einer Zeit der eskalierenden Hitze hintereinander zwei Staaten zum Austragungsort werden (im Vorjahr waren es die Vereinigten Arabischen Emirate mit Dubai), die ihr Budget mit fossiler Energie befeuern, ist mehr als fragwürdig.

Im neuesten Klimaschutzindex (CCPI) liegen denn auch die VAE zusammen mit Saudi-Arabien und dem Iran auf den letzten Plätzen. Weil es keinem der 63 untersuchten Länder gelungen ist, mit seinen Maßnahmen auf den 1,5 Grad-Pfad einzuschwenken, blieben die ersten drei Plätze erneut leer. Vorbildliche Staaten gibt es dennoch: Ganz oben steht Dänemark. Mit seiner Klimapolitik und der Förderung der erneuerbaren Energien konnte es seine Emissionen seit 1990 halbieren. Daneben haben auch Norwegen und Schweden bei den Erneuerbaren mit Sehr Gut abgeschnitten.

Österreich rückte im Ranking immerhin 9 Plätze vor, von Platz 32 auf Rang 23. Der große Sprung ist klimapolitischen Maßnahmen zu verdanken wie etwa den Subventionen im Gebäudebereich oder dem Klimaticket im Verkehrssektor. Verbindliche Sektorenziele fehlen hierzulande allerdings. Sie sind 2020 ausgelaufen und wurden nicht neu definiert. Auch sind die Emissionen seit 1990 nicht wesentlich gesunken. Dazu stagnieren wir bei den Erneuerbaren, allerdings auf hohem Niveau.

In Baku fordern die Entwicklungsländer in der Zwischenzeit, die Industrieländer mögen ausreichend Hilfsgelder für die Bekämpfung der Klimakrise locker machen, wo sie sie doch verursacht hätten. Der Bedarf an externen Hilfen beträgt laut einer unabhängigen UN-Expertengruppe bis 2030 rund eine Billion US-Dollar pro Jahr, bis 2025 sollen es sogar 1,3 Billionen sein – 10 bis 13-mal mehr, als bisher an Klimahilfe fließt.

Gegen Mittag wurde von der aserbaidschanischen Präsidentschaft der Konferenz ein Vorschlag vorgelegt, wie sehr sich die Industriestaaten mit Zahlungen an der Bekämpfung der Klimakrise gerade gegenüber ärmeren, leidtragenden Staaten beteiligen sollen. Demnach sollen sie ihre jährlichen Zahlungen für Klimaschutz und Anpassung an Klimafolgen bis 2035 auf 250 Milliarden Dollar erhöhen, wie die APA berichtet. Bisher haben sich die Industriestaaten zur Zahlung von jährlich 100 Milliarden Dollar verpflichtet. Aber Rechtskraft hat dieser Vorschlag bis Redaktionsschluss noch nicht.

CO2-Ausstoß: Effektivität von Kohlenstoffgutschriften in Frage gestellt

Studie zeigt geringe tatsächliche Emissionsreduktion

Unternehmen können ihren CO2-Ausstoß durch Prozessoptimierung oder den Kauf von Kohlenstoffgutschriften verringern. Diese Gutschriften gibt es über Klimaschutzprojekte. Eine neue Metastudie im Journal Nature Communications zeigt jedoch, dass nur etwa 16 Prozent der Emissionen aus diesen Gutschriften tatsächlich vermieden werden. Die Analyse von 65 Studien zu verschiedenen Klimaschutzprojekten, darunter Forstprojekte und effiziente Kochöfen, deckt fast eine Milliarde Tonnen CO2-Äquivalent ab.

Die Studie betont die Notwendigkeit grundlegender Reformen der Anrechnungsmechanismen, um die Effektivität der Kohlenstoffgutschriften zu erhöhen. Besonders bei Forstprojekten sind die tatsächlichen Emissionsreduktionen oft geringer als angegeben.

Die Ergebnisse der Studie belegen die vielfach mangelnde Wirksamkeit des Marktes für Emissionsgutschriften, was auch bei der aktuellen Weltklimakonferenz in Baku thematisiert wird.

https://www.nature.com/articles/s41467-023-41467-8

Mehr Flüge im Privatjet

Emissionen gestiegen

Die CO2-Emissionen aus Privatjets sind weltweit zwischen 2019 und 2023 um 46 Prozent angestiegen. Im Jahr 2023 machten sie mit 15,6 Megatonnen einen Anteil von etwa 1,8 Prozent der Emissionen des kommerziellen globalen Flugverkehrs aus. Zum Vergleich: Österreich emittierte im Vorjahr 68,2 Megatonnen Kohlendioxid.

Knapp die Hälfte der Flüge sind laut der Nature-Studie kürzer als 500 Kilometer, wie das Science Media Center berichtet. Herunter gebrochen auf Österreich entstanden durch Privatjets (Kleinstflugzeuge nicht eingerechnet) Emissionen in der Höhe von 0,05 Megatonnen, das sind 50.000 Tonnen Kohlendioxid.

Klimaerwärmung: CO2-Ausstoß durch Privatjets steigt stark an – science.ORF.at

Tipp:

Ausstellung „Connected Earth“

Alles auf der Erde ist miteinander verbunden. „Jedes Lebewesen und jede Pflanze ist Teil eines riesigen, noch weitgehend unerforschten Netzwerks, das unseren Planeten durchzieht und alle Prozesse beeinflusst“, wie das Ars Electronica Center schreibt.

Diese Vernetzung zu veranschaulichen und gleichzeitig auf die Verwundbarkeit unserer Ökosysteme hinzuweisen, hat sich die die neue Ausstellung im Ars Electronica Center vorgenommen. In Kunstinstallationen, Datenvisualisierungen und interaktiven Stationen beleuchtet „Connected Earth“ die komplexen Wechselwirkungen zwischen Natur, menschlicher Infrastruktur, Klimawandel und Energiewende. Die Ausstellung ist in Zusammenarbeit mit dem Klima- und Energiefonds Österreich entstanden.

Hörtipp:

Der Wald im Klimawandel

Sonja Bettel reist in ihrer JOURNAL PANORAMA – Reportage von Osttirol bis zum Wienerwald und zeigt, wie der Klimawandel den Wald verändert.

Lange Trockenperioden und Hitze, gefolgt von Extremregen, Nassschnee und Stürmen, setzen den Bäumen erheblich zu. Die massenhafte Vermehrung von Schädlingen wie dem Borkenkäfer verschärft die Situation zusätzlich. In einigen Regionen sind dadurch große Kahlflächen entstanden, die das Risiko von Bodenerosion, Muren, Steinschlägen und Lawinen erhöhen.

Der Wald im Klimawandel, 14.11. | Ö1 | ORF-Radiothek

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